Nachhaltige Landwirtschaft in Kärnten ist das zentrale Thema dieser Folge von mit Milch und Zucker. Martina und Mario Payer vom Simon Hof sprechen über Biodiversität, regionale Lebensmittel, KARINTA und innovative Wege für die Landwirtschaft der Zukunft.
Nachhaltige Landwirtschaft in Kärnten am Simon Hof, Biodiversität und regionale Lebensmittel
Wie kann Landwirtschaft nachhaltiger funktionieren und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich bleiben? Welche Rolle spielen Biodiversität, Regionalität und Innovation für die Landwirtschaft der Zukunft? Und warum begeistert ein traditionelles Getreide wie Tauernroggen heute sogar Spitzenköche?
Darüber haben wir in der aktuellen Folge von mit Milch und Zucker mit Martina und Mario Payer vom Simon Hof in Kärnten gesprochen.
Die beiden führen den Simon Hof in Fürholz bereits in vierter Generation weiter. Mit ihrer Marke KARINTA setzen sie auf alte Kulturpflanzen, innovative Lebensmittel und eine Landwirtschaft, die ökologische Verantwortung und wirtschaftlichen Erfolg miteinander verbindet.
Der Simon Hof: Landwirtschaft bewusst neu gedacht

Martina Payer vereint Wissen aus Anglistik, Medienwissenschaften und Lebensmitteltechnologie. Heute arbeitet sie als Produktentwicklerin, Lebensmittelexpertin und Landwirtin.
Mario Payer ist Bau- und Wirtschaftsingenieur und bringt seine technische und wirtschaftliche Expertise in die Entwicklung des Hofes und der Marke KARINTA ein.
Als das Paar den Hof übernahm, stand für beide fest: Sie wollten nicht nur erhalten, sondern gestalten.
Im Podcast erzählen sie, warum sie Landwirtschaft anders denken wollten und weshalb sie sich bewusst dafür entschieden haben, hochwertige Lebensmittel mit klarer regionaler Identität zu produzieren.
Biodiversität als Grundlage nachhaltiger Landwirtschaft in Kärnten
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Förderung von Biodiversität und Artenvielfalt.
Der Simon Hof wurde bereits zweimal mit dem Biodiversitätspreis „Die Goldenen Apis“ ausgezeichnet. Statt jede Fläche maximal zu nutzen, schaffen Martina und Mario bewusst Raum für Natur und Artenvielfalt.
Zu ihren ersten Projekten gehörte die Revitalisierung einer Streuobstwiese. Später errichteten sie außerdem die erste Bio-Edelkastanienplantage Kärntens. Bereits bei der Planung wurde dabei darauf geachtet, Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu schaffen.
Für die beiden beginnt nachhaltige Landwirtschaft deshalb mit einem respektvollen Umgang mit Boden, Pflanzen und natürlichen Ressourcen.
Warum regionale Lebensmittel immer wichtiger werden
Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, woher ihre Lebensmittel stammen und wie sie produziert werden.
Martina und Mario beobachten diesen Wandel seit Jahren. Regionalität bedeutet für sie jedoch nicht nur kurze Transportwege, sondern auch Transparenz, Qualität und eine stärkere Verbindung zwischen Produzent und Konsument.
Im Gespräch erklären sie, warum regionale Lebensmittel einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten können und wie jede einzelne Person regionale Landwirtschaft im Alltag unterstützen kann.
KARINTA: Innovation für nachhaltige Landwirtschaft in Kärnten
Mit KARINTA haben Martina und Mario eine Marke aufgebaut, die bewusst auf außergewöhnliche regionale Rohstoffe setzt.
Im Mittelpunkt stehen drei Kulturen:
- Tauernroggen
- Ackerbohne
- Edelkastanie
Besonders spannend ist dabei der Fokus auf alte Kulturpflanzen. Während moderne Hybridsorten oft deutlich höhere Erträge liefern, bieten traditionelle Sorten Vorteile für Biodiversität, Bodenqualität und regionale Wertschöpfung.
Für Martina und Mario steht nicht die maximale Erntemenge im Vordergrund, sondern die Produktion hochwertiger Lebensmittel auf naturnahe Weise.
Tauernroggen als regionale Alternative für Risotto

Ein besonderes Highlight der Podcast-Folge ist der Tauernroggen.
Die Geschichte begann mit einem Experiment: Der Simon Hof gehörte zu den ersten Betrieben Österreichs, die Reis im Trockenreisanbau-Verfahren kultivierten.
Doch der hohe Wasserbedarf des Reisanbaus führte zu neuen Überlegungen. Die Lösung fanden Martina und Mario schließlich im Lungauer Tauernroggen.
Gemeinsam mit Partnern entwickelten sie den ersten geschliffenen Roggen Österreichs. Dieser kann ähnlich wie Risottoreis zubereitet werden und bietet eine regionale Alternative mit eigenständigem Geschmack und deutlich geringerem Ressourcenverbrauch.
Im Podcast verraten die beiden außerdem, worauf es beim perfekten Tauernroggen-Risotto ankommt und welche weiteren Gerichte sich daraus zaubern lassen.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gemeinsam denken
Eine der wichtigsten Botschaften der Episode lautet: Nachhaltigkeit funktioniert langfristig nur dann, wenn landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich erfolgreich bleiben.
Der Simon Hof zeigt, wie nachhaltige Landwirtschaft in Kärnten erfolgreich funktionieren kann.
Martina und Mario zeigen eindrucksvoll, dass Innovation, Regionalität und ökologische Verantwortung keine Gegensätze sein müssen.
Mit Kreativität, wissenschaftlichem Denken und viel Engagement entwickeln sie Produkte, die sowohl Konsument als auch der Umwelt zugutekommen.
Ihre Geschichte zeigt somit, wie Landwirtschaft der Zukunft aussehen kann: regional, innovativ, ressourcenschonend und wirtschaftlich tragfähig.
Jetzt die Podcast-Folge anhören
In dieser Episode von mit Milch und Zucker erfährst du:
- Wie nachhaltige Landwirtschaft im Alltag funktioniert
- Warum Biodiversität für landwirtschaftliche Betriebe unverzichtbar ist
- Welche Chancen in alten Kulturpflanzen stecken
- Wie KARINTA entstanden ist
- Was Tauernroggen so besonders macht
- Wie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit erfolgreich verbunden werden können
- Welche Zukunft Martina und Mario Payer für die Landwirtschaft sehen
Mehr Informationen zum Simon Hof und zu KARINTA findest du auf www.karinta.at
Das Interview von Karin Stöttinger von Female Chefs mit Martina Payer bietet außerdem zusätzliche spannende Einblicke in die Arbeit am Simon Hof.
Karin Stöttinger war auch schon bei mit Milch und Zucker zu Gast, hier kannst du diese Podcastfolge hören. Mehr Informationen dazu auch hier.
Hör jetzt rein und entdecke, wie nachhaltige Landwirtschaft in Kärnten erfolgreich gelebt wird.
Alle Podcastfolgen von mit Milch und Zucker findest du hier.
Zitate aus der Podcast-Folge
Landwirtschaft mit Leidenschaft
„Wir haben gesagt, wir wollen den Simon Hof übernehmen, wenn wir auch etwas verändern dürfen.“
„Wir wollten Lebensmittel produzieren.“
„Es ist einfach schön, ein Produkt zu erschaffen.“
„Es gibt nichts Schöneres, als auf dem eigenen Grund und Boden zu stehen und dort mit den Händen einfach wirklich arbeiten zu können.“
„Die Landwirtschaft ist das, was uns besonders viel Spaß macht, weil wir da gemeinsam ein Projekt entwickeln können.“
Nachhaltige Landwirtschaft und Biodiversität
„Ganz am Anfang haben wir die Streuobstwiese revitalisiert.“
„Die Edelkastanienplantage haben wir von Anfang an so errichtet, dass dazwischen viel Biodiversität Platz hat.“
„Als Landwirt ist es gar nicht so einfach, dass man die Natur aktiv sein lässt.“
„Uns war immer wichtig, dass nicht der Ertrag im Vordergrund steht, sondern eine naturnahe Anbauweise.“
„Wir haben uns darauf fokussiert, dass wir naturnah produzieren.“
Innovation und neue Wege
„Wir sind schnell auf die Idee gekommen, den klimafitten Baum der Edelkastanie in Kärnten anzubauen, und sind die Ersten, die eine Edelkastanienplantage in Kärnten errichtet haben.“
„Weil wir eben immer ganz gerne Risotto gegessen haben und die Ersten in Österreich im Trockenreisanbau-Verfahren Reis angebaut haben, da haben wir uns gedacht: Okay, das probieren wir einfach auch einmal.“
„Wir sind Biopioniere am Simonhof.“
„Es ist uns gelungen, den ersten geschliffenen Roggen in Österreich zu produzieren.“
Tauernroggen und regionale Lebensmittel
„Durch eine Dokumentation sind wir dann auf den Tauernroggen gekommen.“
„Wenn wir auf einem Hektar Tauernroggen anbauen, dann erwirtschaften wir eineinhalb, vielleicht zwei Tonnen, im besten Fall.“
„Eine moderne Hybridsorte erwirtschaftet das Vier- bis Fünffache im Vergleich.“
„Wir machen zum Beispiel aus unserem Tauernroggen auch einen Tauernroggenflammeri.“
Wirtschaftlichkeit in der Landwirtschaft
„Reich wird man sicher nicht mit einer Landwirtschaft.“
„Man muss als Landwirt wirtschaftlich bleiben, sonst geht der Hof verloren.“
„Wir hatten die Möglichkeit, mit einer wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu starten, als Quereinsteiger.“
„Es sind so viele Dinge, die man beachten muss, damit man am Ende ein gutes Produkt bekommt, deswegen war schnell klar, dass wir uns eine Nische suchen wollen.“
Lösungsorientierung
„Mein Zugang ist schon immer gewesen: Ich sehe nicht die Probleme, sondern ich sehe Lösungen.“
„Wenn man lösungsorientiert arbeitet, ist die Frustration einfach viel geringer.“
„Uns interessiert es auch, Dinge wissenschaftlich zu betrachten.“
„Ein bisschen Glück braucht man auch.“
Besondere Momente
„Wenn man dann zwei Anrufe vom Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann bekommt, der sagt, er kennt den Tauernroggen nicht, aber er schmeckt wunderbar, dann freut man sich richtig.“
Blick in die Zukunft
„Wenn man ein Herzensprojekt hat, dann einfach gut recherchieren und ins Tun kommen.“

