Martin Zinggl Sultans Trail – Das ist kein Spaziergang: Vom Grenzen überwinden und heil wieder ankommen

Martin Zinggl: Sultans Trail und „Das ist kein Spaziergang“

Martin Zinggl Sultans Trail – Das ist kein Spaziergang.

Martin Zinggl Sultans Trail – Das ist kein Spaziergang: Vom Grenzen überwinden und heil wieder ankommen ist das zentrale Thema dieser Folge von mit Milch und Zucker. Autor, Journalist und Weitwanderer Martin Zinggl spricht über eine gesundheitliche Krise, die ihn auf den Sultans Trail führte, über die Suche nach Orientierung und darüber, wie aus einer außergewöhnlichen Wanderung ein Buch wurde.

Was passiert, wenn eine gesundheitliche Krise plötzlich alles verändert? Warum entscheidet sich jemand dazu, 2.400 Kilometer von Wien nach Istanbul zu Fuß zurückzulegen? Und wie wird aus einer persönlichen Grenzerfahrung ein Buch?

Darüber haben wir in der aktuellen Folge von mit Milch und Zucker mit Martin Zinggl gesprochen.

Nach seinem vierzigsten Geburtstag erlitt Martin während einer sechzehnstündigen Zugfahrt durch Vietnam eine Gesichtslähmung. Die Diagnose war ein Schock und führte nicht nur zu gesundheitlichen Fragen, sondern auch zu einer tiefgreifenden Sinnkrise.

Auf der Suche nach einem Weg, diese Erfahrungen zu verarbeiten, entschied er sich für ein Abenteuer, das er ursprünglich nie geplant hatte: den Sultans Trail. Der rund 2.400 Kilometer lange Fernwanderweg führt von Wien bis nach Istanbul und zählt zu den unbekanntesten Weitwanderwegen Europas.

Aus dieser Reise entstand schließlich sein Buch „Das ist kein Spaziergang – Vom Grenzen überwinden und heil wieder ankommen“, in dem Martin Zinggl die Zeit vor dem Aufbruch, die Herausforderungen unterwegs und die Erkenntnisse seiner Wanderung beschreibt.

Wie Martin Zinggl zum Sultans Trail fand

Nicht jede große Reise beginnt mit Fernweh. Manchmal beginnt sie mit einer Krise.

Nach der Diagnose einer Gesichtslähmung erhielt Martin den Rat, sich zu schonen und möglichst wenig zu tun. Doch genau diese Empfehlung brachte ihn zum Nachdenken.

Im Podcast erzählt er, wie aus der gesundheitlichen Belastung eine Sinnkrise wurde. Er begann sich zu fragen, was wirklich wichtig ist und warum er nicht einfach alles hinter sich lassen sollte, um loszugehen.

Für Martin wurde das Gehen zu einer Möglichkeit, Gedanken zu sortieren, Abstand zu gewinnen und sich neu zu orientieren.

Was zunächst als Versuch begann, eine schwierige Lebensphase zu verarbeiten, entwickelte sich schließlich zu einer Reise quer durch Südosteuropa.

Warum Martin Zinggl den Sultans Trail wählte

Der Sultans Trail verbindet Wien mit Istanbul und führt durch Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien und die Türkei.

Besonders faszinierte Martin jedoch, dass dieser Fernwanderweg kaum bekannt ist. Während andere Weitwanderwege jedes Jahr von tausenden Menschen begangen werden, trifft man auf dem Sultans Trail oft tagelang niemanden.

Ein weiterer Grund für seine Entscheidung war der Startpunkt.

Der Trail beginnt offiziell in Wien. Das bedeutete, dass sein Abenteuer direkt vor der eigenen Haustüre starten konnte. Mit der U-Bahn fuhr er zum Stephansplatz und machte dort die ersten Schritte Richtung Istanbul.

Gerade diese Verbindung zwischen Alltag und Abenteuer machte den Reiz des Weges aus.

Was der Sultans Trail mit Körper und Geist macht

Wer wochenlang alleine unterwegs ist, hat viel Zeit zum Nachdenken.

Martin beschreibt im Podcast, dass man sich irgendwann nicht mehr ablenken kann. Die Gedanken kommen automatisch und man beginnt, sich mit Themen auseinanderzusetzen, für die im Alltag oft kein Platz bleibt.

Natürlich bestand die Reise nicht nur aus schönen Momenten.

Lange Etappen, Regen, Unsicherheit und körperliche Erschöpfung gehörten ebenso dazu wie beeindruckende Landschaften und besondere Begegnungen.

Gerade diese Mischung machte den Sultans Trail für ihn zu einer prägenden Erfahrung.

Martin Zinggl über Minimalismus und Freiheit

Auf einem Fernwanderweg verändert sich der Blick auf viele Dinge.

Alles, was man besitzt, befindet sich im Rucksack. Jedes zusätzliche Gramm muss getragen werden.

Dadurch lernt man schnell, zwischen wirklich Notwendigem und Überflüssigem zu unterscheiden.

Martin erzählt im Podcast mit viel Humor von den kleinen Lektionen des Alltags, die man auf einer mehrmonatigen Wanderung lernt.

Der Sultans Trail wurde dadurch auch zu einer Reise des Loslassens.

Warum Martin Zinggl Abstand zur digitalen Welt suchte

Ein wichtiger Teil der Reise bestand darin, bewusst Abstand zum gewohnten Alltag zu gewinnen.

Martin wollte nicht ständig erreichbar sein außerdem wollte er nicht live verfolgt werden.

Die Wanderung wurde dadurch nicht nur zu einer körperlichen Herausforderung, sondern auch zu einer digitalen Auszeit.

Gleichzeitig half ihm diese Distanz dabei, sich vollständig auf die Reise und die Erfahrungen entlang des Weges einzulassen.

Wie aus dem Sultans Trail das Buch „Das ist kein Spaziergang“ wurde

Mit dem Ziel, ein Buch zu schreiben, startete Martin seine Wanderung ursprünglich nicht.

Während der Reise führte er lediglich ein einfaches Tagebuch. Die Einträge bestanden oft nur aus den zurückgelegten Kilometern und den erreichten Orten.

Erst nach seiner Rückkehr entstand die Idee, die Erfahrungen festzuhalten und mit anderen Menschen zu teilen.

Daraus entwickelte sich schließlich „Das ist kein Spaziergang – Vom Grenzen überwinden und heil wieder ankommen“.

Im Buch beschreibt Martin nicht nur die Wanderung selbst, sondern auch die Ereignisse davor, die gesundheitliche Krise und die Veränderungen, die durch die Reise entstanden sind.

Jetzt die Podcast-Folge anhören

In dieser Episode von mit Milch und Zucker erfährst du:

  • Wie eine Gesichtslähmung Martins Leben verändert hat
  • Warum er sich für den Sultans Trail entschieden hat
  • Weshalb der Fernwanderweg von Wien nach Istanbul so besonders ist
  • Welche Herausforderungen auf 2.400 Kilometern warten
  • Was Weitwandern mit Körper und Geist macht
  • Warum Minimalismus auf Fernwanderwegen wichtig wird
  • Weshalb Martin bewusst Abstand zur digitalen Welt gesucht hat
  • Wie aus der Wanderung das Buch „Das ist kein Spaziergang“ entstand
  • Warum unbekannte Wege für ihn besonders spannend sind

Mehr Informationen zu Martin Zinggl findest du auf seiner Homepage martinzinggl.com.

Bilder und Eindrücke von seiner Reise entlang des Sultans Trail gibt es auf Instagram unter @sultans_trail.

Wenn du am Sultans Trail interessiert bist, schau hier entlang!

Das Buch „Das ist kein Spaziergang – Vom Grenzen überwinden und heil wieder ankommen“ ist im Buchhandel erhältlich.

Hör jetzt rein und begleite Martin Zinggl auf seinem außergewöhnlichen Weg von Wien nach Istanbul.

Die aktuellen Podcastfolgen von mit Milch und Zucker findest du hier.

Zitate aus der Podcast-Folge

Tee statt Kaffee

Die Kaffees, die ich in meinem Leben getrunken habe, kann ich an einer Hand abzählen.

Ob in Nepal der Chai oder auch in der Türkei der çay, der in kleinen tulpenähnlichen Gläsern serviert wird, Schwarztee ist immer das Heißgetränk meiner Wahl.

Milch und Zucker zerstören den Tee-Geschmack.

Eine gesundheitliche Krise

Ich hatte eine gesundheitliche Krise, die dann eine Sinneskrise ausgelöst hat.

Gehen erdet mich.

Wieso lass ich eigentlich nicht alles liegen und stehen und geh einfach?

Dieses Gefühl von einfach Freiheit, einfach rausgehen und loslassen, war sehr reizvoll.

Martin Zinggl über den Sultans Trail

Ich hab nie geplant diesen Trail zu gehen.

Der Trail hat mich angesprochen, weil ihn kein Schwein kennt und dort nur zwei Dutzend Leute im Jahr gehen.

Einer der Gründe, warum ich mich für den Weg entschieden habe, war der, dass er in Wien startet.

Ich bin mit der U-Bahn zum Stephansplatz gefahren, weil dort der Trail offiziell startet.

Ich war Feuer und Flamme bei dem Gedanken, in eine Gegend zu kommen, die nicht oft begangen wird.

Martin Zinggl über Weitwandern und Herausforderungen

In der Regel bereitet man sich auf sowas vor, ich bin da kein gutes Beispiel.

Geh einfach los und schau, was kommt.

Man hat ja keine Ahnung, wie’s hinter Simmering ausschaut.

Ich bin sehr ungeübt als Wanderer.

Beginnend am Tag zwei gab es immer wieder Momente, in denen ich mir gedacht habe: Fetzendeppate Idee, geh heim.

Auch bei der besten Ausrüstung wirst du irgendwann, wenn du stundenlang durch den Regen gehst, nass.

Allein unterwegs

Ich hab immer darauf gehofft, dass es auf den nächsten 20-40 km eine Schlafmöglichkeit gibt.

Ich bin auf den 2400 km einem einzigen anderen Wanderer begegnet und der hatte überhaupt keinen Bock, mit mir zu reden.

Du kannst Lieder singen, Schritte zählen oder sonst was machen, irgendwann beginnst du unweigerlich nachzudenken.

Abstand zur digitalen Welt

Ich habe versucht mich aus der digitalen und auch realen Welt zu entfernen.

Ich wollte unter keinen Umständen, dass man mich live mitverfolgen kann.

Minimalismus und praktische Erkenntnisse

Deo auf einem Wanderweg, wo du allein bist, ist vollkommen nutzlos. Lieber Gewicht reduzieren, wo du nur kannst.

Wenn’s nicht sein muss, wollte ich keine Umwege gehen.

Du willst nicht im Amazonas Europas knietief in einer Senke versinken und von einer Schlange gebissen werden.

Martin Zinggl vom Sultans Trail zum Buch

Ich bin nicht losgegangen mit der Idee, ein Buch zu schreiben.

Es wäre schade, die Erfahrung nicht zu teilen.

Im Vergleich Sultans Trail und Buchschreiben war der Sultans Trail ein Spaziergang.

In dem Tagebuch stand nichts anderes drinnen als: x km gegangen von A nach B.

Neugier und Abenteuerlust

Manchmal sitze ich daheim und schau mir auf Google Maps Grenzen an.

Ich versuche mich nicht allzu ernst zu nehmen.

Ich war Feuer und Flamme bei dem Gedanken, in eine Gegend zu kommen, die nicht oft begangen wird.

Zum Schluss

Gehet hin und kaufet mein Buch.


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